Falls ich vielleicht doch nach Berlin ziehen sollte, habe ich mir schon überlegt, in welchem Quartier beziehungsweise Bezirk ich gern wohnen wollen würde, von Friedrichshain-Kreuzberg bin ich recht begeistert. Für viele ist Friedrichshain der „Feierbezirk“, denn hier befindet sich die Mercedes-Benz-Arena, wo teils täglich, mindestens wöchentlich, geile Konzerte gegeben werden. Von den „Red Hot Chili Peppers“ bis „Andrea Berg“…für jeden gibt es etwas. Hier geben sich die Rock- und Popstars quasi die Klinke in die Hand. Außerdem ist hier auch das legendäre „Berghain“, das Lido, das White Trash, das Musik und Frieden, das Szimpla …die Liste ist endlich aber lang…viele Szenekneipen und das RAW-Gelände, wo fast jeden Tag Events steigen. Das Leben in Friedrichshain ist, glaube ich, etwas für urbane Pfadfinder wie mich: Pulsierend, laut, aufregend, schräg, bunt und immer wieder mitreißend! Von dem schönen Trödelmarkt am Boxi habe ich Euch ja schon berichtet. Meiner Meinung nach, kann man hier gut leben, falls man vorhat, nach Berlin zu ziehen. Es gibt schöne Altbauwohnungen, in den Hinterhöfen ist es trotz Trubel auf der Straße schön ruhig und grün, es gibt neben Partykram auch Geschäfte von Berliner Designern, Second-Hand Läden und mega stylische Adressen: In Friedrichshain finde ich bestimmt eine Wohnung in meiner Preislage, tolerant und neugierig bin ich in jedem Fall.

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Wer in Friedhain wohnt, begibt sich auf Entdeckungstour. Ähnlich wie die angrenzenden Stadtteile Prenzlauer Berg und Kreuzberg ist Friedrichshain eher arm an klassischen Sehenswürdigkeiten, dafür umso reicher an großstädtischer Lebenskultur. Junggebliebene „Vokuhila-Träger“ und alteingesessene „Ureinwohner“, die rund um die Karl-Marx-Allee wohnen…zwischendrin trifft man neugierige „Normalos“, die ihren Partyaktionismus ausleben, dann meist nach einigen Jahren genug vom Jubel-Trubel haben und wieder wegziehen. In Friedrichshain bin ich auch noch auf Plattenbauten und nicht sanierte Altbauten gestoßen (mittlerweile eine Rarität in Berlin), daher sind die Mieten mit ab zehn Euro pro qm erschwinglicher. Die vielen kleinen Läden und Boutiquen sind eine Abwechslung zu den riesigen Shopping Malls, die ich nur selten gesehen habe. Supermarktketten à la Lidl und Co. sind allgegenwärtig, aber auch Metzger und Schuster sind Teil des Stadtbildes und werden rege genutzt. Als ich vom zentralen Kern, dem Alexanderplatz in Mitte, nach Osten Richtung Friedrichshain gefahren bin, durchquerte ich eine breite Prachtstraße. Die Karl-Marx-Allee, die Hauptstraße des Bezirks wird umrandet von grauen Plattenbauten aus DDR Zeiten und wenigen, schönen Relikten im sowjetischen Zuckerbäckerstil. Als Ausgleich zum Grau bietet Friedrichshain eine der schönsten Berliner Grünanlagen. Der Volkspark ist im Sommer die Oase zum Sport treiben und Sonne tanken. Das große Freiluftkino zeigt in den warmen Monaten verschiedenen Filme, sodass der Park auch Bewohner aus entfernten Ecken Berlins anlockt. Beim Märchenbrunnen sitze ich gerne, um ein Buch zu lesen. Bis jetzt fand ich immer einen Platz. Dieser Platz ist ideal, um in die Welt der Gebrüder Grimm zu tauchen und bietet Platz für Tagträume. Rund um den altbekannten Boxhagener Platz hat sich in den letzten Jahren eine entspannte Kneipenszene entwickelt. Der Platz ist lebendig, aber nicht touristisch – kein Vergleich zur samstäglichen Massenhysterie rund um die Simon-Dach-Straße. Eine gute Basis für den Start ins Wochenende bietet der „Frittiersalon“ in der Boxhagener Straße mit frisch geschnittenen Fritten sowie die leckeren Snacks auf dem Markt am Boxi, anschließend lohnt sich insbesondere in den Sommermonaten ein Besuch der „Arena Strandbar“. Manche Berliner meinen, Friedrichshain ist geeignet für junge und alte Menschen, die es lieben, täglich ihren Kiez aufs Neue zu entdecken, viel unterwegs sind und wenig Schlaf brauchen. Das passt doch oder?